Exposé
Der Horror, das Grauen – ein Exposé.
Um sich und anderen zu beweisen, dass man sich ein paar Gedanken zu dem neuen Romanprojekt gemacht hat, muss ein hoffnungsfroher Autor ein Exposé schreiben. Das ist, je nachdem, wen man fragt, eine Zusammenfassung des gesamten Romans auf ein bis zwei Seiten (der Horror!) oder eine Abhandlung über den Romanverlauf auf bis zu 10 Seiten (damit kann ich eher leben).
Bei der zweiseitigen Zusammenfassung nehmen die technischen Daten des Projekts – Arbeitstitel, Genre, Umfang, Ort, Zeitstellung, Fortsetzungsoption, Perspektive und im Falle der phantastischen Literatur noch die Weltbeschreibung gleich mal eine halbe Seite ein. Dann kommen noch die (im Exposé) handlungstragenden Personen mit ein paar erklärenden Stichworten. Erste Seite volll.
Für die liebgewonnene Handlung hat man dann nur noch eine Seite. Das Zusammenquetschen des Hauptplots ist ja noch halbwegs einfach: Protagonist verliebt sich in Antagonist und beide heiraten am Ende den Falschen (für alle, die jetzt schreiend weglaufen: das war nur ein Beispiel!).
Aber die Nebenplots, die Irrungen und Wirrungen des Haupt-Handlungsstrangs, die Nebenpersonen… Nach fünf Anläufen, einen 380 Normseiten umfassenden Roman auf eine Seite zu quetschen und das Ganze noch interessant klingen zu lassen, habe ich aufgegeben. Ich schreibe die Handlungszusammenfassung so lang, wie ich sie brauche, und wenn ich wegen Überlänge des Exposés aus dem Programm fallen sollte, habe ich halt Pech gehabt.