Leseprobe: 17 Seiten
Mit siebzehn Seiten ist das erste Kapitel fertig. Das waren jetzt zwei Seiten mehr als geplant, aber das Kapitel hat jetzt auch um einiges mehr Inhalt als gedacht.
Ich habe beim Schreiben auch etwas über meine Lesegewohnheiten gelernt. Normalerweise langweilen mich Kampfszenen – die meisten Autoren haben keine Ahnung, welche Sorte Schwertergeklirr realistisch oder unrealistisch ist. Sie machen meiner Meinung nach einfach etwas her, damit es sich “cool” liest. Das Ergebnis ist für mich – ich betreibe seit Jahren Kampfsport und bin aktuell bei Aikido gelandet (das umfasst Stockkampf, Schwertkampf und Hebel/Würfe) – meist genauso befriedigend wie diese Mantel und Degen – Filme, in denen mit schweren Waffen hantiert wird, als ob sie weniger als ein Klotz Butter wögen. Und da muss man doch oft sagen: Entschuldigung, aber damals gab es kein blankes Titan als Schwertschmiederohstoff… also bewegt euch entsprechend.
Ergo habe ich mir angewöhnt, mir den Frust zu ersparen. Ich überlese diese Szenen, bis es zur Zusammenfassung der Ergebnisse geht. Damit bin ich soweit eigentlich gut gefahren; so gut, dass das Überlesen von Kampfszenen ein vollständiger Automatismus geworden ist.
Bei Projekt NR geht es aber vor allem am Anfang voll zur Sache. Prügelei am Marktplatz, magischer Mordversuch und Personenschutz mit Bauernwaffen. Das Schreiben war eigentlich nicht schwer. Ich kann ja aus den Bewegungsschätzen vieler Kampfsportarten schöpfen, und Katas (für die Uneingeweihten sind Katas am einfachsten als “Schattenkämpfe ohne Gegner” zu bezeichnen) geben wunderbare Kampfmuster ab, wenn man aus der Sicht des Helden schreibt. Man muss nur die Gegner entsprechend drapieren, und schwups, da läuft die Sache.
Aber ein geschriebener Text möchte ja noch einmal überlesen und korrigiert werden. Das war richtig anstrengend. Am Anfang meiner Kampfszenen ging mein Gehirn auf “Auslassmodus” und klinkte erst wieder ein, als es ans Aufräumen ging. Und das nicht nur einmal sondern deutlich öfter. Ich musste mich wirklich zwingen, jedes Wort zu lesen, und das machte die Korrektur am Wochenende zu einer wirklichen Kaugummi-Arbeit.
Vielleicht sollte ich mich jetzt hinsetzen und ein paar theoretisch-beschreibende Abhandlungen über Kampfsport lesen, um meine Überfliegen-Automatik wieder unter bewusste Kontrolle zu bringen?
Sehr fein. Da bin ich gleich nochmal gespannter auf deine Sachen.
Ja, im Aikido lernt man eine Menge über realistische Waffenhandhabung (und unrealistisches Waffe-auf-waffe-kloppen als Fechtersatz). Leider gibts hier im Umkreis von unter 40 km keine Trainingsgruppe. Ich würde auch ger nwieder, aber das ist mir schlicht zu weit. Wo trainierst du?
Ich hole mir meine blauen Flecken in Nürnberg-Altdorf beziehungsweise Fürth (Takemusu Aiki)
Es ist zwar einiges an Fahrerei, aber es macht Spass und das Training ist gut. Auch wenn ich wieder – wie schon mein Leben lang – der Titelverteidiger für das längste Halten des 6. Kyu bin. Selbst mein Mann schafft es regelmäßiger zu Prüfungen anzutreten als ich. Mit meinen Weltreisen und Ausbildungen hat das natürlich nichts zu tun.
Okay. Solange du mir nicht den Titel für 8 (aktive) Jahre 3. Kyu streitig machen willst. *g*
Altdorf war ich um 2000 rum ein paarmal trainieren.
Bin dann aber wieder zum Kobayashi-Aikido ins Dojo Shoshin zu Ulli Wallauer-Faderl gegangen (damals noch an der Tullnau). Erstens, weil ich mich im Kobayashi-Aikido nun mal am meisten zuhause fühle und zweitens… war quasi vor der Haustür. *gg*
Reich doch mal deine siebzehn Seiten rüber, wenn du magst.
Ich steh auf gut geschriebene Kampfszenen(wobei ich mich gerade frage, wann ich selbst das letzte mal eine geschrieben habe. Schon ewig her… Nein, halt. In ‘Kopfgeld’ waren ein paar. Aber nichts, was man im Aikido sehen würde… *fg*)
Nimm’s mir nicht übel, aber meine 17 Seiten rücke ich erst raus, wenn ich Rückmeldung vom Verlag habe. Du musst jetzt also auf den großen grauen Lektor warten, genauso wie ich. Sobald ich weiss, was da Sache ist, darfst du auch mitlesen

Mit den ganzen Stilrichtungen kenne ich mich nicht so aus. Die Atmosphäre im Training stimmt und ich mag die Leute. Das reicht mir. Und in Sachen Graduierung ist mein Pferdefüsserl, dass die Scheine mich im Gegensatz zu den Techniken nicht sonderlich interessieren. Ergo habe ich Zeit für Training, nicht aber für Sondereinsätze wie Prüfungen
Aber ich überlege mir, dass einige der Gründsätze des Aikido auch in einer Auseinandersetzung mit Schusswaffen anwendbar sind. Zum Beispiel das liebe “aus der Linie gehen”…
Wieso sollte ich das auch übel nehmen? *g*
Mach ich ja selten anders. (Aber welcher schicke Verlag ist das, der sich mit nur 15 Seiten zufrieden gibt? Da könnt ich ja ein Manuskript pro Monat raushaun…).
Zu den Grundsätzen des Aikido hab ich mal auf einem Lehrgang von nem japanischen Sensei gelernt (allerdings natürlich nicht offizielle Aussage sondern im Stil von “also ganz unter uns jetzt mal: …”):
“Die Verteidigung im Aikido gliedert sich in 5 Stufen:
1. Reden!
2. wenn du damit nicht weiterkommst: Lauf!
3. Wenn du damit keine Chance hast, zu entkommen: Schlag zu. Hart und fest!
4. Wenn du damit keine Chance hast, die Konfrontation mit einem Schlag zu beenden – wende eine Technik an. Und zwar die einfachste und unkomplizierteste, die du finden kannst. Je komplizierter, desto riskanter.
5. Spiel nie den Helden.
Wir sind nicht im Kung-Fu – Posing hat im Aikido keinen Platz.”
Fand ich immer hilfreich bei meinen Kampfbeschreibungen. Posing ist für Bodybuilder und LARPer.
So, schönen Arbeitstag und viel Spaß beim Training!
Also, die siebzehn Seiten sind das erste Kapitel von vielen mehr… Wenn der Verlag das Projekt haben möchte, bin ich bis Oktober gut beschäftigt. Man denke also eher an “Leseprobe” als an “schon fertig!”
Labern – Rennen – Schlagen – Verschwinden war das, was wir mal ausgearbeitet haben. Das lag aber sicherlich auch an meinem damals sehr rudimentären Japanisch. Und das Grundprinzip aller Grundprinzipien ist ganz einfach: Nie da stehen bleiben, wo der Schlag des Gegners landen muss.
Im LARP fasse ich keine Waffe an. Erstens beherrsche ich die Dinger nicht so weit, dass ich mir vertraue, keinen unabsichtlichen Schaden damit anzurichten – und zum anderen vertraue ich den anderen nicht, dass sie mit ihren Polsterwaffen sicher umgehen können. Ich habe aber schon erfahren, dass ich mit dieser Ansicht recht einsam auf der Wiese stehe. Zum Glück geht es den Barden immer zuletzt an den Kragen.
Sehr erhellend fand ich einmal das Titelbild eines Conan-Films mit Arnold Schwarzenegger. Da stand der Muskelprotz mit dem Schwert in der Hand. Viel Körpermasse, extrem große Muskeln, ein gewichtiges Breitschwert. Ein wirklich eindrucksvolles Bild.
Aber irgendwie sieht unser Trainigsleiter mit einem Schwert in der Hand viel beeindruckender aus. Dabei hat er deutlich weniger Muskelmasse. Allerdings sind die Muskeln, die er hat, nicht mit Hanteln sondern mit Katana und Stock erworben und stehen deshalb nicht nur cool aussehend vom Knochen ab. Sie haben eine Funktion. Und der Mensch, zu dem diese Muskeln gehören, weiß, wie er sie einsetzen muss.
Arnie ist auf dem Bild ein Bodybuilder mit Schwert in der Hand. Ein Schwertkämpfer sieht anders aus. Der muss nicht posen – der ist.
Ich versuche, das in meinen Texten etwas durchschimmern zu lassen.
Training für mich ist morgen. Trotzdem danke
Das war mir schon klar, dass das nur eine Leseprobe ist. Aber ich bin Leseproben eher im Rahmen von 30 bis 50+ Seiten gewohnt. 17 finde ich da ungewöhnlich kurz. Zumindest, wenn es sich um Normseiten handelt.
Das mit der Wirkung kenne ich. Ich habe Sensei Kobayashi auf einigen Lehrgängen in Deutschland erleben dürfen. Ein über sechzigjähriger, winziger Mann, der immer ein wenig an einen beschwipsten Mister Miyagi (der aus Karate Kid) erinnerte. Dessen Wirkung mit dem Schwert in der Hand war schlicht beeindruckend.
Zum Thema “gute Kampfszenen” übrigens einen Tipp: James Barclay, Die Chroniken des Raben. Schick, äußerst spannend und halbwegs realistisch. Eine wirklich gute Inspiration in dieser Hinsicht.
Tja, in diesen Fällen ist der Kunde König – man wollte das erste Kapitel oder zumindest 15 Seiten davon, und so habe ich es dann auch ausgeliefert. Das heisst ja nicht, dass ich jetzt die Arbeit einstelle; wenn nach Ostern der Wunsch nach mehr besteht, dann gibt es auch das.
Die nächsten Tage wird wieder die Textilarbeit im Vordergrund stehen. Wollvorbereitung geht am Besten bei strahlendem Sonnenschein. Sticken profitiert auch von dem guten Licht, das wir gerade haben, und der Sternenquilt (die Bilderzeile ganz oben besteht aus Detailfotos des Projekts) muss langsam mal fertig werden.