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Wasser ist ein tödliches Getränk

Ein paar kurze Einblicke in die Rentner-Bravo, eine obskure und eine bekannte Tageszeitung zeigten mir Artikel über den Sommer und dass man während der warmen Tage viel trinken solle. Unweigerlich waren auf den Bildern die drei berühmten Wasserflaschen abgebildet, mal mit Trinkglas, mal mit einer Momentaufnahme, wie das Wasser aus der Flasche sprudelt.

Ja, in der Hitze soll man viel trinken. Aber ist Wasser wirklich das geeignete Getränk? Dazu eine kleine Geschichte:
Es war Mitte Juli, Mittags am Bahnhof Shibuya, Haltepunkt der Yamanote-Sen, der Bahnlinie, die einmal rund um Tokyo führt. Ich hatte gerade meine dritte Einliterflasche Mineralwasser an diesem Tag geleert, und war trotzdem unendlich durstig. Mir war auch schlecht. Eigentlich speiübel, und meine Finger waren dick und geschwollen. Ich lehnte an einer Säule und ging meine Ernährungssünden der letzten Tage durch… nur da waren keine. Ich hatte gut gegessen, darauf geachtet, über 2000 Kalorien am Tag zu kommen (hier schreibt eine chronisch Untergewichtige), und ich hatte bei allen Göttern nun wirklich genug getrunken. Allein drei Liter Wasser an diesem Tag.

Die Hitze war extrem. Also, dachte ich – du hast viel geschwitzt – trink noch mehr Wasser. Offensichtlich brauchst du es.
Mit zitternden Händen und kaltem Schweiß auf der Stirn fischte ich 110 Yen aus meinem Geldbeutel. 110 Yen kaufen an so gut wie jedem Tokyoer Getränkeautomaten ein beliebiges Getränk. Da mir so übel war, vertippte ich mich bei der Codenummer. Ich bekam nicht das gewünschte Quellwasser aus den japanischen Bergen, sondern ein Gebräu, das sich »Pocari Sweat« nannte. Meine Bahn war in ein paar Minuten fällig, und mit einem Getränkeautomaten lässt sich schlecht streiten, also machte ich das Zeug auf und trank es aus.

Es war das widerlichste Gebräu auf der Götter Erdboden – eine Mischung aus Zuckerwasser und Salz. Es schmeckte himmlisch. Nach einer Minute war die Packung leer, und bald darauf ging es mir besser. Meine Hände zitterten nicht mehr, und ich konnte die Aufschriften auf den Bahnen erkennen. Sogar die Lautsprecheransagen auf dem Bahnsteig machten wieder Sinn, und ich erwischte trotz allem meinen Anschlusszug nach Yamato, den ich wegen übergroßer Schwäche schon abgeschrieben hatte.

Was mir gefehlt hatte, war nicht das schnöde Wasser. Mir fehlten Salze und Mineralien. Mein Überkonsum an Mineralwasser hatte zwar eine Komponente des Schweißes ersetzt, nicht aber alle anderen.

Was heißt das für einen armen Deutschländer in der Sommerhitze?

Drei Liter Flüssigkeit pro Tag sind ein guter Richtwert. Aber man darf sich auf keinen Fall alleine auf Mineralwasser verlassen. Besser sind verdünnte Obstsäfte, so man sie verträgt (wer nach dem Genuss von Obstsäften Magengrimmen, Blähungen oder Durchfall erleidet, sollte sich auf eine Sorbit- oder Fructose-Unverträglichkeit testen lassen). »Verdünnen« meint in diesem Fall 50% Saft und 50% Wasser – ob aus der Leitung oder aus der Flasche ist unerheblich. Die als »Nektar« oder »Fruchtsaftgetränke« verkauften Saftmischungen erhalten meist zu viel Zucker und erzeugen damit mehr Durst, als ratsam ist. Selber mischen macht gesund ;-)

Alternativ kann man den japanischen Weg gehen und am Morgen eine große Menge Grüntee (nicht schwarzen Tee) brauen und ihn über den Tag verteilt warm oder zimmerwarm trinken. Grüner Tee ist naturgemäß recht bitter, enthält aber so gut wie alle Mineralien, die der Mensch durch Schwitzen verliert. Dadurch ist er ein ideales Hitzegetränk.

Wem der Grüntee einfach zu bitter oder zu schwer herzustellen ist – Teezubereitung ist in Japan beinahe eine eigene Wissenschaft – dem seien andere »Volkstees« aus heißen Gegenden empfohlen – unter anderem Roiboos/Roibusch/Rotbusch. Auch dieser Ginstertee enthält viele Mineralien und ist sowohl heiß als auch kalt genießbar.

Für den eiligen Leser: Blankes Wasser kann in großer Hitze krankmachen. Besser sind verdünnte Obstsäfte oder frische Tees.

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1 comment to Wasser ist ein tödliches Getränk

  • Petalwing

    Das Wunder-zeugs hat die Bundeswehr auch für Auslandseinsätze. Sieht aus wie Nährlösung aus dem Krankenhaus, kann man sich in den Helm einhängen, praktisch mit flexiblem Strohhalm.
    Ich glaub, jeder eklige Sportdrink (+2 bei Munchkin!) arbeitet auf der Zucker/Salz-Kombi. Und rate mal, was K. bekommen hat, als er nach dem Dschungeltrip zusammengebrochen ist. Das Zeugs plus Kokosgeschmack. Auch aus der Dose. Widerlich aber wirkungsvoll… Wahrscheinlich gibts sowas in allen heißen Ländern. Und bei der Bundeswehr. Aber da ohne Aroma..
    Und ich hatte noch über unseren BW-Kumpel gelacht, der uns für heiße Klimate empfahl, was aus seinen Vorräten mitzunehmen.
    Tja, jeder muss den Fehler einmal machen, dann lernt man. *g*

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