Buchmesse Frankfurt 2009-I

(Projekt NR: 417.769 Anschläge – 271 Normseiten)

Ich bin wieder aus Frankfurt am Main zurück, entsprechend müde und verschlafen und völlig verpeilt.

Mir ist gerade beim Schreiben des oberen Satzes aufgefallen, dass ich heute früh vergessen habe, meine Medikamente zu nehmen. Dafür schnabuliere ich seit einer halben Stunde einen Kakao nach dem anderen. Mit so viel Milch intus kann ich es vergessen, heute genug Schilddrüsenhormone in mein System zu bringen. Das Zeug wirkt am Besten nüchtern, eine halbe Stunde vor dem Essen und eigentlich gar nicht in der Gegenwart von Calcium, für das die Milch ja berühmt ist. Ich hoffe mal, dass die bewussten Überdosen, die ich mir in der letzten Woche wegen der stressigen Buchmesse verpasst habe, für den Rest des Tages reichen. Narf.

Ja, meine Karriere im Leistungssport war schon vorbei, bevor ich sie je geplant habe: Doping mit L-Thyroxin ist gerüchteweise recht beliebt. Ohne diese Medikamente falle ich allerdings in kälteschlotternden Tiefschlaf – auch bei 40 Grad im Schatten und mitten auf einer Bühne. Ich bin Hashimoto-Patient mit deutlicher Schilddrüsen-Unterfunktion.

Aber trotz allem war der Besuch der Buchmesse für mich recht erfolgreich. Ich habe einen neuen Auftrag und ein paar interessante Kontakte mehr. Zusätzlich liebäugele ich mit einem neuen eBuch, da mein altes Rocket eBook langsam aber unaufhaltsam alle Viere von sich streckt und aufs Altenteil gehört. Es ist ja auch schon annähernd 10 Jahre alt, da darf die Induktionsschicht des Touchscreens schon mal schwächeln – auch wenn es mich bei der Arbeit behindert, da ich meine Texte nicht ausdrucke sondern ausschließlich am eBook nachbearbeite.

Die neueren “Devices” können leider meiner Meinung nach kaum mit meiner alten Kröte mithalten. Die eInk-Displays benötigen sage und schreibe eine deutliche Sekunde für den Seitenaufbau – mein Rocket eBook ist so schnell, dass mir der Seitenwechsel kaum auffällt. Ich halte mein 500g schweres altes eBuch in einer Hand und bediene es mit einem leichten Daumenklick genau dieser Hand – auf einem anderen Device benötige ich die andere Hand, um an den Schalter zu kommen. Und mein altes eBuch bootet (zugegeben, mit Software-Update von vor 7 Jahren) binnen 3 Sekunden entweder auf den alten Text oder ein vollständiges und sortiertes Inhaltsverzeichnis. Die neueren Bücher – sagen wir es neutral – brauchen länger. Und ihre Akkus halten nicht 25-40 Stunden (mein eBuch zu Anfangszeiten, mittlerweile sind die Lithium-Akkus etwas mitgenommen und bringen nur noch etwa 10 Stunden Leistung, aber man denke an das Alter der Hardware) sondern mit Ach und Krach 10 Stunden.

Zugegeben, das Inhaltsverzeichnis meines eBuchs muss ich mit einer externen Software strukturieren und in jedem Text vor dem Hochladen fest eintragen, aber der kurze Klick auf das Drop-Down-Menu hat mich bis dato noch nicht so gestört.

Zu den Vorzügen der neuen Bücher: das eInk-Display meines Favoriten, eines iRex Digital Reader 1000 S ist angenehm zu lesen, gestochen scharf und wirklich groß. Ein A4-PDF ist damit leicht zu lesen, Normseiten sehen damit wie Normseiten aus und Tabellen werden benutzbar. Mein altes eBuch arbeitet auf einem modifizierten HTML/RTF-Format und verwandelt alles in irgendeine Art von Fließtext. Es ist etwas wie browsen mit Lynx, einem ASCII-Konsolen-Text-Browser. Wenn man weiß, wie Lynx funktioniert, ist er gut zu bedienen, aber ein Neuling ist ohne Anleitung aufgeschmissen.

Der DR1000S dagegen schluckt nicht nur sein eigenes Format, wie meine liebe alte Kröte, die nur mit externer Software funktioniert, sondern auch HTML, PDF, TXT, Mobipocket und einige Bildformate. Prinzipiell druckt man also einfach alles als PDF in eine Datei und schiebt es auf das eBuch. Da mein Schreibprogramm diese Druckoptionen nativ anbietet (und mein Laserdrucker sowieso auf PDF und PS rennt) muss ich also nur noch einen Handgriff machen, wenn ich meine Texte übertragen möchte. Das ist ein überzeugendes Kaufargument. Außerdem betreibt der Hersteller zwar einen Server, bei dem man eBücher kaufen kann, aber wenn man das nicht benutzen will, läuft die Hardware völlig unabhängig vom Internet. Und das ist mir noch viel wichtiger als aller Schnickschnack, den das Ding sonst noch so kann.

Leider habe ich damit mein wohlbekanntes Faible für das Beste und Teuerste bewiesen: Der DR1000S ist als Hardware eigentlich das Teuerste auf dem Markt. Der Preis für so ein eBook-Device ist schon happig, vor allem, da mein Netbook mit allem drum und dran mehr Batteriereichweite hat als das eBook bei der niedrigsten Verbrauchseinstellung. Dafür wiegt das Netbook natürlich auch etwas mehr, aber da ich meistens im Sitzen arbeite, ist das weniger ein Problem. Also mal schauen ;-)

Bilder von der Buchmesse gibt es nicht. Ich habe erstens keinen Presseausweis, zweitens hatte ich keine Zeit, und drittens war mir die Kamera einfach zu schwer, um sie durch die mehrstöckigen Hallen zu schleifen. Tom Orgel auf seiner Schreibblockade wird diesen Mangel aber sicher wett machen.

pixelstats trackingpixel

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>