By opening this envelope…
… you have agreed: If you can win this game then you’ll be freed. The other case your soul is mine! Your Lord of the Flies… Your soul is mine, mine mine! (frei nach Gary McGarth: Shrink Wrap Blues)
So wie im oben zitierten Lied fühlt man sich, wenn man probehalber einen World of Warcraft-Account anlegen möchte und die EULA liest. Es war nur ein Versuch, einem Freund eineWoW- Reitrakete zu besorgen, ehrlich!
Nachdem ich also Blizzard alle meine persönlichen Daten anvertraut habe und dieser vertrauenswürdigen Firma Zugriff auf die Windoofs-Registry und den Inhalt meines Arbeitsspeichers gewährt hatte, wollte die Spieleschmiede noch mehr: Unangekündigte Checkups auf alle Daten, die auf der mittlerweile 7 Jahre alten Festplatte je gespeichert waren und noch gespeichert werden könnten… und die Seele meines zweitgeborenen Kindes. Da unser erstgeborener Sohn zu dieser Zeit schon drei Monate alt war, wollten sie die Seele nicht mehr. Die fleischliche Verpackung wäre bei der Entsorgung zu viel des Aufwands.
Bei der Lektüre der EULA wurde mir schon ganz anders. Auf meinem Hauptrechner liegen ja nicht nur meine Steuer- und Finanzdaten, die ja eigentlich recht unwichtige Geheimnisse sind, sondern auch die Exposes, Handlungsskizzen, Hintergrundmaterialien für zukünftige Romanprojekte. Und natürlich alle Unterlagen zu schon verkauften Projekten, bei denen sogar der Arbeitstitel unter die Geheimhaltungsklausel fällt.
Also installierte ich World of Warcraft nicht auf meinem Arbeitsrechner sondern auf einer alter Krücke, die sensible Daten nur auf dem USB-Stick kennt. USB 1.0, versteht sich
Dann schnitt ich die zehn Stunden Freundschaftswerbung an. Nach drei Versuchen fand ich endlich die Domäne, in der mein Freund spielte. Dort erstellte ich einen Gnom, und ab ging die Post… für 15 Minuten, dann brüllte das Kind.
Nach zwei Tagen ab und an für eine Viertelstunde spielen habe ich entnervt aufgegeben. Zwei Wochen später, als unser Sohnemann etwas ruhiger wurde, versuchte ich es erneut… möööp. Probezeit abgelaufen. Ich habe mir eigentlich eingebildet, das ich noch acht Stunden auf Halde hatte… Aber was soll’s. Ich war nicht wirklich an WoW interessiert, und mein Freund hatte seine Reitrakete… dachte ich. Und deinstallierte das Spiel.
Gestern habe ich von meinem Freund erfahren, dass er das Kleingedruckte zu seiner Reitrakete auch nicht richtig gelesen hatte. Reitraketen gibt es nur, wenn der angeworbene Freund ein Minimum von zwei Monaten dabei bleibt (und dafür zahlt). Das ist jetzt schade, aber nicht zu ändern. Ich habe gerade eine Anfrage bei Blizzard laufen, wie ich meinen Account bei ihnen, den ich ja nicht nutze, löschen kann. Nicht, dass sich BigBrother irgenwann mit dieser alten Unterschrift über meinen Hauptrechner hermacht und meinen aktuellen Roman am Verlag vorbei als ebook veröffentlicht. Ich bin sicher, dass in dieser 5km langen EULA ein entsprechender Passus war, der in der Wüste aus Grossbuchstaben untergegangen ist.