Nützlinge – man muss sie einfach lieben

Dieses Frühjahr begann feucht, führte sein Leben nass weiter und beendete es mit feuchtwarmen Regenschauern – zumindest in der nürnberger Tiefebene.

In solchem Wetter fühlen sich die üblichen Verdächtigen unter den Insekten – Hummeln, Bienen, Florfliegen, Marienkäfer und wie sie alle heißen – nicht allzu wohl. Aber es gibt eine unbeugsame Insektenart, die diese Witterungsbedingungen einfach nur liebt: die Blattlaus. Ob grün, gelblich oder dunkelblau-schwarz, die Blattläuse lieben es kühl und nass. Da ich jedes Jahr zum Insektenfüttern eine “Blattlausfarm” aus Ringelblumen und Kapuzinerkresse anlege, habe ich eine gesunde Blattlauspopulation im Garten. Nur gab es dieses Jahr keine Insekten, die diese Blattläuse fressen wollten.

Also hatte ich so viele Blattläuse an den Paprika, dass sie nicht mehr wachsen konnten. Die Schneekirsche trieb nicht aus, weil die Blattläuse allen Saft aus den Knospen heraussaugten. Meine Baumwollpflänzchen, mühevoll hochgepäppelt, kümmerten aus Blattlaus vor sich hin …

Zuerst habe ich die Viecher abgestreift. Das half nicht viel, weil die Knospen zu klein für meine dicken Finger waren. Der Kollateralschaden an Austriebsknospen war einfach zu hoch. Dann griff ich zu Spüli, und als das nichts half, zu Kaliseife.

Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich mich in einer wetterbedingten Rüstungsspirale mit den Blattläusen befand. Und dass das reichlich doof war. Wenn ich weder Marienkäfer noch Florfliegen im Garten hatte … ich schiebe das mal auf den harten Winter und den miesen Frühling, da bei mir nichts Härteres als Kalilauge gegen Insekten eingesetzt wird … dann musste ich mir einfach welche besorgen.

Mein Blattlausproblem erstreckte sich mittlerweile auch auf die Küchenkräuter, die Hornveilchen im Balkonkasten, die Ahörner und sogar den Borretsch und die Moschusmalven. Alles was noch halbwegs Grün aufweisen konnte, war blattlausbefallen und klebrig und voller Blattlauseier. So richtig Bah. :)

Aber nachdem ich rund 500 Florfliegenlarven und 50 Marienkäferlarven von unseren Naturschützern gekauft und ausgewildert hatte, war nach fünf Tagen der Spuk vorbei. Heute, acht Tage nach dem Aussetzen der Nützlinge, habe ich mir die Zeit genommen, meinen Balkongarten zu “beregnen” und den ganzen Blattlauspapp abzuwaschen. Den Pflanzen geht es prächtig, und sie treiben auch wieder gut aus. Und die Paprikas bilden erste Früchte. Die werden vielleicht noch etwas.

Nur um die Nützlingslarven mache ich mir jetzt Sorgen: Wenn die in acht Tagen alles an Blattlaus weggefressen haben … gibt es dann jetzt noch genug Blattläuse, um die nächste(n) Generation(en) zu versorgen? Ich hätte ja gerne auch eine stabile Nützlingspopulation.