Category Archive: Allerlei

Brotbacken

Nach meiner kleinen Hermann-Katastrophe - ich berichtete -  habe ich nun einen frischen Roggensauerteig angesetzt und führe ihn mittlerweile in der dritten Generation. Meine ersten zwei Roggenvollkorn- und Roggenmischbrote mit 500g Sauerteig aus der Erstzucht waren der Traum, die zwei danach gebackenen Brote krankten an Untergare, nicht ganz perfekt geführtem Anstellgut und einem sehr wasserarmen und engkrumigen Teig.

Für heute habe ich mir ein Rezept ausgesucht, das  schon bei vielen Bäckern zu einem sehr saftigen Brot geführt hat. Roggensauer-Vorteig, Quellstück und Dampfl (Weizen-Hefe-Vorteig) stehen schon seit gestern um acht in der Küche. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Fotos folgen, sofern ich mein Teleläut zu einem guten Bild überreden kann, in drei oder vier Stunden. Sauerteig ist ein gemütliches Gut.

P.S.: Die Briefvorlage unten ist natürlich zur sinngemäßen Anwendung freigegeben. Ich hätte nur gerne irgendwann einen Bericht zur Reaktion des Verlags. :D

 

Schicken Sie uns bitte Ihre Rechnungen in Englischer Sprache

Merkwürdige Dinge hört man vom deutschen Buchmarkt: Ein Verlag schickt Schreiben herum, in denen er darum bittet, Rechnungen nur noch in Englischer Sprache zu bekommen – um leichter abrechen zu können. Ich finde das denkwürdig. Warum sollte ein deutscher Verlag, mit Sitz in Deutschland, der deutsche Bücher verlegt, auf einmal für die Rechnungsstellung von der deutschen Amtssprache abweichen? Nicht zuletzt, da mein Finanzamt mir sicherlich Schwierigkeiten macht, wenn es meine Rechnungen auf einmal nicht mehr lesen kann.

Nun, mich trifft es nicht. Dafür bin ich ein zu kleines Licht. Aber da ich ab und zu mal die Feder spitze, habe ich für alle Betroffenen eine geeignete Antwort verfasst. Natürlich auf Englisch. Die Rechnungen sollten ja auch in Englisch kommen, also muss die Geschäftssprache doch durch die Bank Englisch sein …

Dear (Genannter Ansprechpartner),
 
with confusion I received your letter dated XX/YY/ZZZ, in which you asked, nay demanded, that our further correspondence be conducted exclusively in English, even though it is well known to you that this noble and distinguished form of address and conversation is not within the reach of my native language.
I am living on the water-rich acres of the German plain, offer you services in German language, deliver my manuscripts in the noble German language, and we are bound together by contracts following German law and custom – also laid down in German language. You then use my work in your German company and publish it in German language on the German market.
Therefore, it is with great wonderment that I receive your notice to further conduct all business in English language. I have to admit that I never asked an American not to place her invoice to me in English, neither did I demand such from Spanish or French business partners. I cannot expect foreigners to have enough command of my mother tongue to conduct business in a satisfactory manner outside the languages of their birth.
Therefore, I regretfully have to inform you that I am not an English native speaker and nothing in my contracts or the German law compels me to use a language foreign to me to conduct my business with you. Please excuse my poor command of your language of choice, but accept my hard-won decision:
I do conduct business with a German company, using German contracts and publishing my German manuscripts in the German market, only in German language. I am unable to write out an invoice in any foreign tongue. If that is too great a hardship for you, please engage a registered translator.
 
With best regards,
 
yadayada foobar

(Ich erlaube jedem Schriftsteller oder Autor, der ein einschlägiges Ansinnen seines Verlags auf dem Tisch liegen hat, ausdrücklich, diesen Text mit den geeigneten Anpassungen ohne Rückfrage zu verwenden. Wer damit nicht nur seine Brötchen verteidigen, sondern durch einen Abdruck Geld verdienen möchte, wende sich bitte direkt an mich, eMailadresse steht im Impressum. Ich beiße nicht.)

Manuskript eingereicht

Das nächste Manuskript ist beim Verlag gelandet. Jedes Mal, wenn ich einen Roman ins Lektorat entlasse, fühle ich eine gewisse Leere – der Stress ist weg. Der Lebensinhalt der letzten sechs Monate ist mit dem Abschicken der Mail verpufft, der Schreibtisch nach dem Aufräumen dauerhaft leer, die Referenzbücher wieder im Schrank. In ein paar Wochen, wenn das Manuskript aus dem Lektorat zurückkommt, gibt es wieder ein bisschen Hektik.

Jetzt nähe ich mir und meinen Kleinen erst mal ein paar dringend benötigte Herbstklamotten. Und danach staube ich mein Herzensprojekt ab und schaue, an welcher Stelle ich es das letzte Mal in die Ecke gestellt habe. Eine Idee für den nächsten Szenenkomplex habe ich schon. :D

Muss denn alles uralt sein?

“Encaustic – eine uralte Wachsmalkunst. Schon die alten Ägypter und Griechen haben mit dieser Technik ihre Totenmasken bemalt …”
“Fussreflexzonenmassage – eine uralte heilkundliche Technik. Schon die Indianer Nordamerikas …”
“Wicca – eine uralte druidische Religion. Ihre Lehren wurden seit der Zeit Caesars im Geheinem und fern des Zugriffs des Christentums tradiert …”
“Filzen – ein uraltes Handwerk. Schon die Reitervölker der Mongolei …”
“Nadelbinden – die älteste überlieferte Textilkunst …”

Viel beschworen wird gegenwärtig der Jugendwahn. Alles muss hübsch, jung, faltenfrei und schlank aussehen. Nur Handwerkstechniken. Die dürfen uralt sein. Nein, sie müssen uralt sein. Sonst sind sie nicht gut.

Selbst wenn die moderne Encaustic, also das Auftragen von buntem Wachs auf heißen Bügeleisen, die dann auf einem Blatt Papier abstreift werden, mit dem direkten Bemalen von vorher erwärmten Totenmasken wenig zu tun hat. Ich wage da die Behauptung, dass irgendwann einmal jemand auf die Idee kam, Kerzenreste auf Bügeleisen zu schmelzen. Und das unabhängig davon, was die Ägypter und Griechen für ihre Verstorbenen getan haben. Das ist eine kulturelle Parallelentwicklung, die keine ursächlichen Zusammenhänge kennt, aber die gleichen Materialien benutzt, um ähnliche Effekte zu erreichen. Dreitausend Jahre voneinander getrennt.

Ähnliches kann man zum Nadelbinden sagen: Eine verlorene Kunst. Nadelgebundene Socken und Mützen wurden jahrelang für auf rechts gestrickt gehalten. Erst der Arbeit einiger findiger Frauen wurde die Nadelbinderei als solche erkannt und wiederbelebt. Die Nadelbinderei hat keine uralte Tradition – sie ist eine neue Nachahmung alter Techniken.

Nur die Filzerei hat die Tradition, die ihr nachgesagt wird: Seit Jahrtausenden filzt und walkt die Weberin, der Weber, die Filzkünstler. Diese Technik ist nie in Vergessenheit geraten, nur ihre Namen wandelten sich im Laufe der Zeit: Filzhut, Lodenmantel, Walkfrottier. Es gibt wunderschöne Filzereien aus Gräbern der Bronzezeit, und geniale Filzkonstrukte in jeder Epoche bis zur Jetztzeit. Ein wahrlich uraltes Handwerk, genauso alt und traditionsreich wie die Weberei. Nur hat die Weberei nicht die Lobby der Filzer – und ist deshalb nur ein hauptsächlich von Maschinen ausgeübtes Handwerk, keine uralte Textiltechnik.

“Uralt” als Begriff ist “in” und wertet alles auf, das nicht jung sein muss. Aber nicht alles, was als uralt bezeichnet wird, ist es auch.

 

Wissen ist ansteckend

Mein Schwager ist Automechaniker. Mit Leib und Seele. Er liebt Autos über alles, und er teilt sein Wissen gerne. Zuerst hat er mich dazu angeleitet, Autos nicht nur an ihrem Herstellerpläpperle zu erkennen, dann führte er mich tiefer in die obskuren Bereiche der Autokunde ein. Mittlerweile fahre ich glücklich einen 7-Sitzer Hybriden mit einem realen E10-Verbrauch von 5 Litern pro 100km.

Früher, als meine Schwester noch keinen Mann hatte, beantwortete ich die Frage nach meinem Wunschauto in der Autovermietung mit: “Eins das fährt.”

Etwas später hörte es sich so an: “Wir sind zwei Personen und haben drei Klappkörbe Gepäck. Der Karren sollte 50 in der Stadt und 100 auf der Autobahn können. Oh, wir wollen in den Harz. Also Winterreifen und Ketten bitte.”

Dann bekam ich einen autoaffinen Schwager.

Gestern stand ich an der Bushaltestelle neben einem Autohändler. Eine Rennkutsche, Motor und zwei Sitze, gab es gebraucht für 30.000 Euronen. Ich sah mir das Auto an und mein erster Gedanke war: “Nicht mit den verrosteten Bremsscheiben und den schlechten Kotflügeln.”

Die Entwicklung geht also von “irgendein Fahrzeug” zu “Ein Auto, das unser Gepäck schafft” bis hin zu “mit den Mängeln will ich die Schrottkarre nicht.” Mein Schwager ist schuld. Jawoll.

DSA für den Deutschen Phantastikpreis nominiert

DSA – die Romanserie “Das Schwarze Auge”, für die ich auch schreibe, wurde für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. Bis zum 28. Juli 2013 könnt ihr darüber abstimmen, welche der nominierten Romane den Preis verdienen. ;)

Das Schwarze Auge ist zwar mit über 25 Jahren und über 150 Romanen die älteste deutsche Fantasy-Romanreihe, doch auf die Nominierungsliste des Deutschen Phantastikpreises hat man es noch nicht geschafft. Ich bin in der Reihe mit gegenwärtig drei Romanen und einer Novelle vertreten und freue mich einfach mit. :D

Hermann und ich

Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit einer Freundin übers Brotbacken. Früher habe ich mich recht intensiv damit beschäftigt. Meine Sauerteig-Versuche starben dutzende Tode. Unterzuckert, überzuckert, untermehlt, zu kalt, zu warm … Ich habe einiges an Erfahrung in Sachen Fehlgärung, und auch ein bisschen Erfahrung mit glücklicheren Sauerteigkulturen. Dadurch verfüge ich auch über eine geeichte Nase: Ich kann riechen, was an einem Teig falsch gelaufen ist.

Während des Gesprächs kamen wir beide darauf, dass wir zwar Brot backen wollen täten, aber wirklich keine Zeit für eine gute Sauerteigführung haben. Mit Kindern und Gästen und Haushalt ist das nicht so einfach, wie es sich beim Durchlesen eines Rezepts anhört. Vor allem, wenn der Rest der Leute im Haus keine Ahnung von Sauerteigen hat und nicht weiss, warum man auf keinen Fall die Heizung darunter ausstellen sollte.

Einige Tage später brachte mir ein Gast ein “neues Haustier” mit. Zusammen mit einem Kettenbrief: Einen Hermann-Teig. Erkannt habe ich ihn sofort – aber mir war nicht bewusst, dass der Kettenbrief-Hermann immer noch lebt, sozusagen. Wider besseren Wissens habe ich den Teig angenommen. Er roch gut, ordentlich Milchsauer. Also konsultierte ich die Anleitung und rührte am passenden Tag 200g Zucker in den Teig. Zum Hefefüttern.

Dann gab es die ein oder andere Katastrophe, und als ich am nächsten Tag den Teigzustand kontrollieren wollte, hatte der Teig gut eineinhalb Tage in der prallen Sonne bei 30+ °C verbracht. Der grobkörnige Zucker, den ich dank Sturmböen und hingefallener Kinder nicht mehr richtig unterrühren konnte,  hatte sich am Boden abgesetzt und das Ergebnis roch nach … Alkoholgärung. Nichts mehr mit milchsauer.

Also habe ich den Teig entsorgt. Mit Hermann und mir wird das die nächsten Monate nichts. Irgendwann, wenn es wieder kälter wird und das Wetter berechenbarer aussieht (einmal herzlich lachen, bitte), setze ich noch mal einen Hermann an. Der Teig ist ja recht stabil, und einmal die Woche kann man ihn für süßes Brot teilen und neu anzüchten. Dann machen wir daraus das Sonntags-Zuckerbrot.

Der Wettergnom

Mein Mann hat die Verantwortliche für das schlechte Wetter beobachtet und gezeichnet.

GoblinShamaninRain

Hochwasser

Vor ein paar Jahren haben wir dort gewohnt, wo jetzt Land unter ist. Hätten wir uns nicht für die Pampa entschieden, so würden wir heute mit dem Schlauchboot einkaufen gehen und jeden Tag die Sandsäcke auf Sickerstellen untersuchen. Bei uns gilt zwar auch (noch) Hochwasser-Meldestufe 2, aber das Einzige, was uns beeinträchtigst, ist das Rattern der Grundwasserpumpe. Ab und zu. Da wir im ersten Stock wohnen, ist das alles relativ.

Nun juckt es mich in den Fingern, ein oder zwei Hochwasser-Kurzgeschichten zu schreiben, aber ein gewisser Roman hat absoluten Vorrang. Ich wünsche allen Hochwasseropfern, dass das Wasser bald abfließt und sich die Reparaturkosten in Grenzen halten.

Tablet und Tastatur

Mein Laptop, auf dem ich jeweils die ersten zweihunderttausend Zeichen Nachtrichter, Hundeelend, Tagrichter und Türme aus Kristall getippt habe, ist von mir gegangen. Das Ersatzstück für mobiles Arbeiten ist nun ganz im Zeichen der Zeit ein Tablet mit Bluetooth-Tastatur. Bei jeder getippten Zeile werde ich wieder daran erinnert, dass ich gute Gründe habe, kabelgebundene Peripheriegeräte zu bevorzugen: Ich bin auf der Tastatur schneller als die Sende- und Empfangseinheit. Aber der Speicher meiner ausgewählten Tastatur ist zum Glück groß genug, um auch mal fünf schnellgetippte Sätze aufzunehmen und abzuarbeiten. Auch wenn diese Sorte Echo-Schreiben sehr an die Anfangszeit des Computers erinnert, als der Server jede Eingabe bestätigen musste.

Oh, eine kleine Korrektur. “Hundeelend” war natürlich nur 180.000 Zeichen lang. Das Stück habe ich komplett auf dem Laptop geschrieben. :)