Category Archive: Stickerei

Tag der offenen Tür im Kunstverein Herzogenaurach

Am kulturoffenen Samstag, 20.9.2014 bin ich von 17 bis 22 Uhr im Kunstverein Herzogenaurach. Mit von der Partie ist mein großer-kleiner Stickrahmen, zusammen mit dem zweiten Teil meiner 4 Jahreszeiten – Quilts: Winter – Erwartung. Ich weiß nicht, ob ich die ganze Zeit durcharbeiten werde, aber für einen kleinen Plausch unterbreche ich immer gerne. :D

Rolf Paprotka malt Skizzen nach Urlaubsfotos, und Bernhard Beizer malt mit den Fingern. Es gibt auch ein paar Kekse und Getränke.

Die Website des Kunstvereins findet sich hier: http://www.herzokunst.de/exhibitions/7

Rahmendaten: Kulturoffener Samstag in Herzogenaurach
20.9.2014, 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr
im Kunstraum Herzogenaurach: Langenzenner Str. 1, 91074 Herzogenaurach

Kostüm: Praiosgeweihte

Dieses Kostüm entstand für die (vor) letzte RatCon, die Hausmesse meines Verlegers: Eine etwas edlere Alltagskutte (etwa entsprechend einem Talar) für eine Praiosgeweihte. Meine Kinder waren stilecht in Novizenweiß, aka. ungebleichtes Leinen, gekleidet. Nur leider sind sie schon lange herausgewachsen. Gleichzeitig habe ich es vor mir hergeschoben, das Kostüm nach dem Waschen richtig zu bügeln.

Das Praiosauge ist in Goldlitze auf einen recht flexiblen roten Gabardine aufgenäht, die orangen und gelben  Streifen an den Ärmelöffnungen bestehen aus Leinwandbindigem Stoff. Das Unterkleid ist eigentlich ein Zweiteiler, Hosenrock und Tunika, da ich wirklich keine Lust hatte, mich für jeden Ausflug auf die Toilette voll und ganz zu entkleiden. Ebenso wollte ich mit all den Stoffbahnen um mich herum noch in der Lage sein, eine Treppe zu steigen oder Auto zu fahren.

Bei der Bauchbinde habe ich auf einen gelblichen Stoff zurückgegriffen, um den Kontrast zwischen Unterkleid und Überwurf nicht zu hart werden zu lassen. Ich möchte ja nicht von der tollen Stickerei ablenken. Die zwei Rangkugeln sind aus Messing. Der Goldpreis war mir einfach zu hoch. :D

Alltagskleidung einer Praiosgeweihten. Kostüm für die RatCon 2013.

Alltagskleidung einer Praiosgeweihten

Ausstellung Hülle und Fülle

Für Kurzentschlossene mit Bedarf für etwas Sonntagsunterhaltung:

Am Sonntag, den 13.07.2014 lese ich um 15:00 Uhr auf der Finissage der Ausstellung “Hülle und Fülle” des Kunstvereins Herzogenaurach aus dem neuen Roman “Zeit und Zufall“, eine Kollaboration mit Carolina Möbis.

Die Ausstellung gibt einen schönen Eindruck vom Kunstschaffen in Herzogenaurach; unter den Ausstellungsstücken befindet sich auch mein Sternenquilt mit der Milchstraße in Perlenstickerei.

Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt. :D

Prunus Subhirtella Pendula

Noch eine Kirsche, diesmal im Aufbau. Prunus Subhirtella Pendula, die japanische Trauerkirsche (auch Higan-Kirsche in Trauerform genannt). ;)

Zwischenstand einer Perlenstickerei: Aufgenähte Trauerkirsche mit Perlen als Blüten.

Prunus Subhirtella Pendula: Ein Wandbild im Aufbau

Im Gegensatz zu anderen Arbeiten, die Abschnitt für Abschnitt fertig gestickt werden, muss ich bei dieser Arbeit ständig das Arbeitsfenster wechseln. Deshlab sind die Bereiche der Stickerei auch nicht einheitlich weit. Mit Perlen zu schattieren ähnelt der Maltechnik, in der das Bild erst in Grautönen aufgearbeitet und dann mit Farbe übermalt wird. Die grauen Perlen stehen für schattierte Bereiche im Baum.

Sternenquilt

Das Fenster unserer Wahrnehmung, von der Lorenzkirche in Nürnberg über eine Pagode in Japan, den Mond, die Planeten und die Sterne, bis hin zum nicht mehr Erfassbaren hinter dem Schleier: Der Sternenquilt ist fertig. Ein paar minimale Änderungen stehen noch auf meiner Liste, aber genau wie einen Roman kann man auch ein Stück Textilkunst zu oft überarbeiten und verbessern.

Anzuschauen ist das gute Stück auf den Frauenkulturtagen Roth in der Alten Residenz Hilpoltstein, von Freitag  7.3. 19:00 Uhr  bis Sonntag 9.3. 18:00 Uhr. Leider verfügt die Veranstaltung über keine Website.

Ein Quilt mit plastischer Stickerei, der in Form eines Fensters mit Vorhang die Grenzen unserer Wahrnehmung der Welt und des Weltalls darstellt. Die Perlenstickerei ist eine originalgetreue Darstellung der Milchstraße mit Berücksichtung der Spektralklassen und Magnituden der einzelnen Sterne.

Sternenquilt Das Fenster unserer Wahrnehmung in Baumwolle, Seide, Perlen und Sticktwist.

Baskenmütze

Es wird kälter,  und der Nachwuchs wächst und wächst. Also musste eine neue Mütze her. Der Nachwuchs bestand auf einem wild gemusterten Herbststoff, und ich wollte mit den Reflexbändern der Verkehrswacht experimentieren. Das Ergebnis ist diese warme “Baskenmütze”, gestaltet frei nach der Idee einer solchen Kopfbedeckung.

Bei Sticken musste ich feststellen, dass die Reflektorfolie nur bedingt gesprengt werden kann. Sprengen sollte man die Reflexbänder nur am großen Rahmen mit einer stabilen Unterstickung und viel Zug auf beiden Fadensystemen. Die Reflexbänder falten sich zwar willig, nehmen aber keinen Knick an und springen noch während der Arbeit in ihre Ausgangsform zurück. Um die Form zu retten, habe ich die Bänder wie beim Schlingenlegen überstickt, aber auch das konnte nicht dafür sorgen, dass das Band glatt auflag. Das Ergebnis kann man gut beim Blatt erkennen: Keine glatte Oberfläche und wenig Reflektionsfläche.

Aufnähen dagegen funktioniert ausgezeichnet, auch wenn es eine elende Plackerei ist, ein 1mm breites Reflexband flächig auf dem Stoff zu befestigen. Durch die Langsstarrheit des Bandes ist es sehr leicht, die Bänder in gleichmäßigen Abständen aufzunähen. Ich empfehle also Aufnähen vor Sprengen. Auf der Mütze oben handelt es sich um den Fisch.

Der Oberstoff ist 100% Baumwolle (Patchworkstoff) zum schön Aussehen, Innen”futter” ein warmer Feincord unbekannter Zusammensetzung mit aufgedrucktem Webmuster. Manchmal fragt man sich, wass sich die Stoffdesigner denken. Das Muster hätte man recht einfach direkt weben können. Wahrscheinlich war es aber billiger, den Cord in Rohweiß herstellen zu lassen und dann das Dessin einfach draufzudrucken.

Einfassung wieder 100% Baumwolle in dunkelgrün, und da es sich um eine Kindermütze handelt, hat sie einen kleinen, in der Weite verstellbaren Gummizug. Ganz schön viel Zeug für so ein kleines Stück Wohlbehagen. :D

Klompen in Redwork

Vor einiger Zeit habe ich einen Satz Redwork-Motive entworfen. “Redwork” ist die englische Bezeichnung für in rot ausgeführte Linienstickerei. Aktuell kommt diese altehrwürdige Art, Textilien zu verzieren zusammen mit der Patchworkwelle über den grossen Teich nach Europa zurück.

Genau betrachtet ist diese Art der Stickerei ein wunderbar gelungener Marketing-Rundumschlag. Vor vielen Jahren (18xx) wurde eine Methode entwickelt, kräftig rote Garne wasser- und lichtecht zu färben. Die Garnstränge mit dem neuartigen Rot wurden unter dem Namen “Türkischrot” verkauft. Um den Absatz anzuheizen, wurden dem Garn weiße Stoffquadrate mit einem aufgedruckten Stickmotiv beigelegt – oder, um es anders zu formulieren, man konnte Stoffquadrate mit Motiv und einem Strang türkischroten Stickgarn erwerben. Diese Quadrate wurden billig auf den Markt gebracht und traten den Siegeszug durch die damaligen Mädchenzimmer an: Linienstickerei ist einfach, geht schnell und sieht gut aus.

Meine Redwork-Motive der ersten Stunde waren hochkomplex – ich dachte, viel hilft viel und pinselte fröhlich mit dem dünnen Bleistift vor mich hin. Beim ersten Motiv, das ich sticken wollte wurde mir klar, dass einfädiger Sticktwist einfach nicht mehr zu teilen ist: Mein Bleistift konnte dünner, aber meine Nadelarbeit konnte nicht feiner auflösen. Ich brauchte “gröbere” Motive.

Also ging es an die zweite Gruppe Entwürfe, die mangels Zeit und Gelegenheit nach dem Stechen in einer Schublade herumvegetierten. Beim Aufräumen vor ein paar Tagen fielen sie mir wieder in die Hände, und dieses Paar Klompen durfte das Flaggschiff werden.

Ein Paar Klompen in roter LinienstickereiEin Paar Klompen in roter Linienstickerei

Technische Daten
Stickgrund: weißer Popeline 25x25cm, doppellagig
Stickmaterial: MEZ Anchor Sticktwist ein- bis dreifädig, Farbe 47
Stiche: Rückstich, Spaltstich, Stielstich und  Saumstich (Stielstich spiegelverkehrt), aufgelockerter Plattstich

Bilderrahmen: Aus dem Bastelladen, Kiefernholz
Aufgezogen mit: Ponal Holzleim

Efferdgeweihtenkostüm

Efferdgeweihtenkostüm zum Rollenspiel DSADie Gewandung zur Ratcon  2012 galt Efferd. Diesmal hatte ich etwas mehr Zeit zur Verfügung, also konnte ich etwas tiefer in die Trickkiste greifen. Hosenrock und Weste aus Seide, Hemd aus Leinen. Stickereien in Baumwolle, ebenso die Kordeln. Muscheln und Schneckenschalen habe ich per Hand angebohrt. Dabei hatte ich etwa 40% Ausschuss, bis ich den richtigen Bohrer gefunden hatte.

Die Weste ist wendbar; auf die Außenseite ist dunkelblau mit grauem Satinband und grünbunten Perlen, die Innenseite grünblau mit dunkelblauem Samtband. Auf die Hosenbeine habe ich Türkise und weitere Rochailleperlen aufgestickt, um der Seide etwas Gewicht zu geben.

Die Bluse dagegen ist aus Rohleinen, das ich selbst gebleicht und verarbeitet habe. Stickereien in Knotenstich, Plattstich, Vorstich und Varianten, Hexenstich, Bäumchenstich … ich habe mich nur an eine Regel gehalten: Es soll aussehen, als würde es zusammengehören. Die Zusammengehörigkeit kommt aus der monochromen Farbwahl, der immer gleichen Fadenstärke (3 fädiger Sticktwist) und der Tatsache, dass es alles auf einem Trägerstoff liegt. ;)

Wie schon bei anderen Kostümen stand die Alltagstauglichkeit im Vordergrund. Auch wenn ich mit dem Meeresfrüchte-Gürtel niemandem empfehlen würde, einen Rucksack zu tragen oder ein Kind auf den Arm zu nehmen. Aber das verbietet sich auch durch die Frisur.

Caseln für die Ewigkeit

Es folgen zwei Beiträge zum Thema “Nähen für die Ewigkeit” von Himmel-und-Hölle-Näharbeiten. Bitte lesen Sie sie sorgfältig und befolgen alle Anweisungen getreulich. Die Caseln halten ewig, und die Restauratoren… lassen wir das.

Anleitung für das Schneidern von Ewigkeitscaseln

Benötigte Materialien
Oberstoff: Feinste, zerbrechliche Seide
Verstärkungsstoff: Dünner Cottanova
Einlage: Grobes Leinen
Futter: Nach Belieben, bevorzugt dünn und zerbrechlich.
Faden: Eternitfaden… oder stabiles Polyester

Einstellen der Nähmaschine
Drehen Sie die Fadenspannung so hoch wie möglich, sowohl beim Ober- als auch beim Unterfaden. Kalibrieren sie für eine perfekte Fadenlage mit Schlingung in der Mitte der Stofflagen. Stellen sie die kleinstmögliche Stichlänge ein. 1 – 0,05mm ist ideal.

Nähen
Nähen Sie zuerst Stickerei und Verstärkungsstoff zusammen. Dann Stickerei, Verstärkungsstoff und Einlage, daraufhin das bestehende Paket mit der Borte und zuletzt noch mit dem Futterstoff. Die Casel ist für die Ewigkeit gemacht, also reicht eine Runde pro Durchgang nicht aus. Nähen Sie zwei- oder dreimal, und vernähen Sie die Fadenenden bombenfest.
Bedenken Sie immer: Eine Ewigkeitscasel ist für die Ewigkeit gemacht. Eher soll der Stoff reißen als die Naht.

Kundeninformation zur Ewigkeitscasel

Sehr geehrter Kunde,
Sie haben soeben eine Ewigkeitscasel erworben. Um dieses wunderbare Textil, das für die Ewigkeit schon im Diesseits geschaffen wurde, angemessen zu erhalten, möchten wir Sie bitten, folgende Punkte zu beachten:

  • Bewahren Sie die Ewigkeitscasel in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit auf
  • Achten Sie darauf, dass in Gegenwart der Ewigkeitscasel viel geraucht und/oder geweihraucht wird
  • Vermeiden Sie Schränke mit Mottenschutz. Mäuse, Teppichkäfer, Motten und andere Insekten möchten auch etwas von der Ewigkeitscasel haben.
  • Vermeiden Sie Kontakt mit frischer Luft und/oder Sonnenschein. Dies ist unheimlich schädlich für die Ewigkeitscasel.
  • Lassen Sie die Ewigkeitscasel NIE reinigen. Auch mit frischem Wasser darf die Ewigkeitscasel NIE in Berührung kommen.
  • Zusammengefasst: Ein feucht-kalter Raucherkeller mit Schimmelpilzbildung ist ideal für die Ewigkeitscasel.

Vermeiden Sie nach Möglichkeit auch, ihre Ewigkeitscasel von Schneidern, Nähern, Stickern oder Restauratoren begutachten zu lassen.
Wenn Sie sich treulich an diese Regeln halten, wird Ihnen die Ewigkeitscasel ein Leben lang erhalten bleiben.

Und nun ein Life-Mitschnitt aus einer Paramentenmacher-Werkstatt, in der gerade eine Ewigkeitscasel zur Restauration ansteht:

“Und da haben wir noch diese… ugh. Was ist den DAS?” (lange Pause)
“Also, wir brauchen jemand, der das auftrennt…” (Job wird verteilt. Die Tapfere Stickerin beginnt mit der Arbeit)
“Schwester, ich benötige eine Schutzbrille, meinen OP-Mundschutz… nein, besser die Gasmaske, die Latexhandschuhe und das Skalpell. Benötigen wir mehr als nur die Stickerei? Nein? Sehr gut. Räumt das Haus.”
(einige Stunden vergehen… Die Tapfere Stickerin wankt aus dem Arbeitszimmer und wird von ihren Kolleginnen empfangen)
“Wir brauchen einen Taxonomen. Ich glaube, ich habe zwischen den Stichen noch 30 unbekannte Insektenarten gezählt…”

Um fair zu sein …

Viele der “Ewigkeiscaseln”, die in den Händen von Restauratoren landen, wurden nicht vom Messner oder der Gemeinde falsch behandelt. Sie wurden nach Jahren treuen Dienstes ausgesondert und bis zur endgültigen Entsorgung – was sich in manchen Kirchen recht kompliziert gestaltet – in einem Plastiksack im Keller oder auf dem Dachboden gelagert. Dort wurden sie vergessen und Jahre später wiederaufgefunden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Caseln nicht mehr alt, sondern historisch und dadurch wieder interessant. Also kommen sie zur Restauration, und das Spiel beginnt.

Efferd-Aufnäher im F-Shop

Gerade habe ich im F-Shop gesehen, dass es jetzt Aufnäher und Borten mit den Symbolen dreier DSA-Götter gibt: Efferd, Praios und Hesinde. Über die Qualität kann ich nichts sagen: Ich habe die Borten noch nicht in der Hand gehalten. Aber völlig vermessen war mein erster Gedanke: Mit Brettchentechnik hätte die Borte schöner ausgesehen als mit diesem sehr feinen Jaquardmuster. Aber natürlich ist die Weberei mit so komplexen Kettmustern wie die Brettchenweberei sie bietet nicht sonderlich maschinentauglich. Die Jaquard-Webstühle dagegen sind die Urahnen unserer Computer, und deshalb sehr leicht zu programmieren.

Der Grund für den Post ist aber ein anderer: Die Idee mit dem Efferd-Symbol hatte ich auch schon. Es ist nur kein Aufnäher, sondern eine Haarspange mit Beinnadel. Gestickt wurde mit und auf Resten – ich hatte einfach mal das Bedürfnis, ein Klischee zu sticken. Ab und zu brauche ich bei der ganzen eng geplanten Arbeit einfach ein Chaosprojekt, an dem alles frei Hand gemacht ist – ein Öpferchen an Tsa, sozusagen.

Haarspange mit Efferdsymbol, DMC-Baumwollgarn auf Patchworkstoff. Gestickt freihand nach Bildvorlage.

Haarspange mit Efferdsymbol, DMC-Baumwollgarn auf Patchworkstoff. Haarnadel aus Bein.