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Nobody Is Perfect

Nur wer nichts macht, macht keine Fehler: Dieser Quilt begann mit einem Stapel fehlerhafter Bindungsmuster aus dem Handwebunterricht. Nachdem ich nichts selbstgemachtes wegwerfen kann, habe ich die rot-weißen Muster samt Fehlern zu einem neuen Quilt verarbeitet, der noch mehr Fehler enthält. Im Großen und Ganzen ist es ein Insider-Witz. :D

Ein Quilt, zusammengesetzt aus fehlerhaftem Material, mit fehlerhafter Verarbeitung und schiefer Aufhängung. Rot, weiß und grün. Steht zum Verkauf.

Nobody is Perfect – Nur wer nichts macht, macht keine Fehler.

Die Entstehung einer Laptoptasche

Man webe einen Kettrips, Cottolin 13/2, 20 Fäden pro Zentimeter, mit einer interessanten Farbzusammenstellung: Schwarz-blau-grün/orange-blau-schwarz-blau-orange/grün-blau-schwarz. Hier ein Bild beim Einzug. Ich bin übrigens verschossen in diesen Reihkamm, aber für meinen kleinen Webstul gibt es ihn nicht. Im Gegensatz zu allen anderen Fleisch- und bluthungrigen Reihkämmen aus offenen Nagelreihen hat das gute Stück nämlich geschlossene Bügel und eine einschiebbare Feder als Verschluss. Irgendwann… ja, dann… will ich auch so einen haben.

 

Fadenkreuz Kettrips für Laptoptasche
Fadenkreuz Kettrips für Laptoptasche

Daraufhin wird der Kettrips gewebt – eine Laptoptaschenlänge in grünen und orangenen Quadraten, und eine andere Laptoptaschenlänge in “Schussumbrierung”: Ich habe die Farbbereiche mit jedem Durchgang eine Querrippe länger gemacht. Das hat einen interessanten Effekt, vor allem im Rips.

Ripsgewebe in Arbeit auf einem Künzl-Kivik
Ripsgewebe in Arbeit auf einem Künzl-Kivik

 

Mein Einzug war geradedurch über 8 Schäfte – da ich beim Schären aufgepasst hatte, konnte ich mich um einen Einzug in Gruppen herummogeln. Dadurch konnte ich auch 1-2-1-2 Leinwand treten. Es war also Weben ohne große geistige Anstrengung. Nur meine Finger waren vom ständigen Fachöffnen irgendwann wirklich dreckig und schmerzten etwas. Das nächste Mal nehme ich ein Werkzeug, um das Fach aufzuzwingen.

Rips im Webstuhl
Rips im Webstuhl, Quadratmuster

 

Und zu guter Letzt wurde daraus eine Laptoptasche. Die zweite liegt noch als Zuschnitt rum, und ich überlege mir gerade ernsthaft, ob ich diese Sorte Notebook/Laptoptasche nicht in meine Produktreihe aufnehme. Viel Konkurrenz von hübsch aussehenden, nicht “ich bin eine Notebook-Verpackung” schreienden Produkten scheint es nicht zu geben, und zumindest meine Bekanntschaft möchte auch gerne so etwas haben. :)

Laptoptasche
Laptoptasche

Ein A4-Block geht auch rein, wenn man etwas schiebt. Das werde ich beim nächsten Versuch sicherlich noch ändern.

Der Verschluss ist ein HI-Virus-Plüschtier von “Giant Microbes”. Ich finde die Produktidee genial, und als “Knopf” ist der Virus sehr gut geeignet, da er  erstens die Taschenklappe hält und zweitens auf Druck mit völliger Verknautschung reagiert. Damit kann man die Tasche auch mal in die Ecke pfeffern, ohne sich um das Wohlergehens des Inhalts Sorgen machen zu müssen. Mir hat schon einmal ein Stielknopf einen Stift zerbrochen.

Muss denn alles uralt sein?

“Encaustic – eine uralte Wachsmalkunst. Schon die alten Ägypter und Griechen haben mit dieser Technik ihre Totenmasken bemalt …”
“Fussreflexzonenmassage – eine uralte heilkundliche Technik. Schon die Indianer Nordamerikas …”
“Wicca – eine uralte druidische Religion. Ihre Lehren wurden seit der Zeit Caesars im Geheinem und fern des Zugriffs des Christentums tradiert …”
“Filzen – ein uraltes Handwerk. Schon die Reitervölker der Mongolei …”
“Nadelbinden – die älteste überlieferte Textilkunst …”

Viel beschworen wird gegenwärtig der Jugendwahn. Alles muss hübsch, jung, faltenfrei und schlank aussehen. Nur Handwerkstechniken. Die dürfen uralt sein. Nein, sie müssen uralt sein. Sonst sind sie nicht gut.

Selbst wenn die moderne Encaustic, also das Auftragen von buntem Wachs auf heißen Bügeleisen, die dann auf einem Blatt Papier abstreift werden, mit dem direkten Bemalen von vorher erwärmten Totenmasken wenig zu tun hat. Ich wage da die Behauptung, dass irgendwann einmal jemand auf die Idee kam, Kerzenreste auf Bügeleisen zu schmelzen. Und das unabhängig davon, was die Ägypter und Griechen für ihre Verstorbenen getan haben. Das ist eine kulturelle Parallelentwicklung, die keine ursächlichen Zusammenhänge kennt, aber die gleichen Materialien benutzt, um ähnliche Effekte zu erreichen. Dreitausend Jahre voneinander getrennt.

Ähnliches kann man zum Nadelbinden sagen: Eine verlorene Kunst. Nadelgebundene Socken und Mützen wurden jahrelang für auf rechts gestrickt gehalten. Erst der Arbeit einiger findiger Frauen wurde die Nadelbinderei als solche erkannt und wiederbelebt. Die Nadelbinderei hat keine uralte Tradition – sie ist eine neue Nachahmung alter Techniken.

Nur die Filzerei hat die Tradition, die ihr nachgesagt wird: Seit Jahrtausenden filzt und walkt die Weberin, der Weber, die Filzkünstler. Diese Technik ist nie in Vergessenheit geraten, nur ihre Namen wandelten sich im Laufe der Zeit: Filzhut, Lodenmantel, Walkfrottier. Es gibt wunderschöne Filzereien aus Gräbern der Bronzezeit, und geniale Filzkonstrukte in jeder Epoche bis zur Jetztzeit. Ein wahrlich uraltes Handwerk, genauso alt und traditionsreich wie die Weberei. Nur hat die Weberei nicht die Lobby der Filzer – und ist deshalb nur ein hauptsächlich von Maschinen ausgeübtes Handwerk, keine uralte Textiltechnik.

“Uralt” als Begriff ist “in” und wertet alles auf, das nicht jung sein muss. Aber nicht alles, was als uralt bezeichnet wird, ist es auch.

 

Handfette

Beim Nadelarbeiten müssen ja öfter mal die Finger dran glauben – ob sie aufgerieben, angestoßen, zerstochen oder nur totgewaschen werden, ist ja eigentlich egal. Im Laufe der Zeit habe ich einige Selberpansch-Rezepte für Faule und Petrochemiescheue (aka. mich) entwickelt, die  für die Allgemeinheit interessant sein könnten.

Man nehme die folgenden “Rezepte” für den Panscher aus dem Handgelenk. Ich habe zwar eine Küchenwaage, aber die benutze ich nur zum Abwiegen von Wolle und Farbstoffen. Meine Unfähigkeit, Anleitungen genau und ordentlich nachzuarbeiten ist sicherlich schon bekannt. Hier also Rezepturen nach meiner Methode: Man entwickle einfach Gefühl! ;-)

Fett für zerstochene Stickerfinger

Viel (etwa 2/3 des Gefäßes) unraffinierte Sheabutter
weniger (etwa 1/6 des Gefäßes) Kokosfett
Ein großzügiger Spruzer Jojobaöl nativ
ein paar Tropfen Hagebuttenkernöl
Ätherisches Öl nach Geschmack

Hart- und Weichfette zusammen in ein Gefäß geben, im Wasserbad auf etwa 40 Grad erwärmen und zusammenrühren. In ein Cremedöschen abfüllen und rühren, bis es kalt und sähmig-fest ist. Sollte die Fettmischung einfach nicht stocken wollen, ein paar Stunden in den Kühlschrank stellen. Dann wieder herausnehmen (die Fette fallen dadurch klumpig aus, das ist normal), noch einmal auf sähmige Konsistenz erwärmen (etwa 30 Grad – das geht am einfachsten, wenn man das Döschen ein paar Stunden am Körper trägt) und dann rühren, bis die Hände abfallen. Die Fette verbinden sich dadurch neu und werden zu einer homogenen Masse.

Das Ergebnis sollte ein griffiges, nicht allzu hartes Fett für die Hände sein. Sehr sparsam anwenden – mir reichen 100ml für ein Jahr. Durch die Sheabutter und das Jojobaöl (beide möglichst unraffiniert bzw. nativ) heilen vor allem kleine Wunden an den Nagelbetten sehr schnell ab.

Allround-Fett für trockene Haut

Viel unraffinierte Sheabutter
etwas weniger Kokosfett
deutlich weniger Adeps Lanae (aka. Wollfett oder Lanolin, aber ohne Beimischungen!)
ein großzügiger Spruzer Jojobaöl nativ
ein paar Tropfen Hagebuttenkernöl
Ätherische Öle nach Geschmack

Auch hier gilt: Hart- und Flüssigfette in ein Gefäß geben, im Wasserbad schmelzen und gut verrühren. Dann in Gefäß abfüllen und rühren, bis es stockt. Wenn es nicht stockt, ab in den Kühlschrank und später noch einmal leicht erwärmen und nachrühren.

Anwendung: Nach Bedarf eine geringe Menge auf der Haut verreiben. Die Rezeptur sollte schnell einziehen und kaum “Fettigkeit” auf der Haut zurücklassen. Wer mehr “Oberflächenschutz” für seine Haut möchte, kann auch eine kleine Dosis Bienenwachs mit einarbeiten. Das macht die Masse allerdings fester.

Diese Rezeptur habe ich für meine Mikro-Schuppenflechte (nein, nix Schlimmes, die nervt nur und ist nicht behandlungswürdig) und die zu extremer Trockenheit neigenden Hände meines Mannes entworfen. Andere “Tester” fühlten sich mit dem Fett auch gut versorgt, auch wenn von manchen Leuten die Rückmeldung “zu reichhaltig” kam. Deshalb gilt auch hier: Weniger ist mehr.

Die Haltbarkeit dieser Fettmischungen ist nahezu unbegrenzt – wenn die Rohstoffe 3 Jahre halten, dann hält das Gemisch auch gerne 2,5 bis 3 Jahre, solange man beim Schmelzen und Rühren nicht in die Rohmasse niest oder die Fette anders kontaminiert.

Viel Spass beim Panschen.