Bei Ausgrabungsarbeiten auf der Platte meines rettungslos mit Papier zugeschütteten Schreibtischs – die meisten Unterlagen sind übrigens Papierkrieg zugunsten und zulasten unseres Sohnemanns – fand ich einen etwas betagten Aufschrieb. Das Papier stammt aus einer Übersichtsvorlesung zum Strafrecht im Italien vom Mittelalter bis zur Neuzeit und stand bei der Namenswahl meines ersten Romans Pate. Die Beschreibung eines peinlichen Nachtrichters in Venedig und die maraskanische Interpretation der aventurischen Gottheit Phex/Feqz gehören einfach zusammen:
“Vor die peinlichen Nachtrichter, deren gleichfalls sechse sind, gehören alle nächtlichen Verbrechen, unter welcher Benennung Diebstahl, Mordbrennen, Nothzucht, Vielweiberei, geplünderte Erbschaften, Verwundungen und andere Zufälle begriffen sind, welche sich unter Begünstigung der Finsternis zu ereignen pflegen. (…)
Sie haben die Vollmacht, die Schuldigen nach Befinden mit Gefängnis, Verbannung, Leibes- und Lebensstrafe zu belegen.”
(Johann C. Maier, Beschreibung von Venedig (1789), S. 230)
Irgendwie passte das perfekt auf den Charakterentwurf meiner Hauptperson(en). Während der gnädige maraskanische Tagrichter – Brüderchen Praios – auch mal ein Auge zudrückt oder etwas linder urteilt, ergeht der Spruch des Nachtrichters – also Brüderchens Phexen – mit dem Messer. Man überlege sich also, welche Gottheit man verärgert.






