Gefüllte Paprikaschoten vegetarisch (mit veganer Variante)

Wie versprochen folgt das Rezept für meine vegetarischen gefüllten Paprikaschoten – sie sollten 3 Leute satt machen oder 6 Leuten als Beilage dienen – vom gestrigen Großen Fressen:

Zutaten
Paprikas (7)
Schaf- oder Ziegenkäse, gut gereift (1)
Cuscous (ca. 100g? 200g?)
Tomaten (6 Kirschtomaten)
Eier (3 Stück)
Salz, Pfeffer, Kräuter der Provence, Oregano bzw. frischer Basilikum

Zubereitung
6 Paprika köpfen, die Samen und weißen Häute entfernen und mit der aufgeschnittenen Seite nach oben in eine Auflaufform einkeilen, so dass sie nicht mehr umfallen können.
Letzte Paprika und die brauchbaren Reste der geköpften Paprika in kleine Würfel schneiden, genauso die Kirschtomaten.
Cuscous mit etwa der Hälfte der üblichen Wassermenge anrühren und mit den Paprika und Tomaten vermischen. Ziegenkäse klein krümeln und mit dem Rest vermengen. Zuletzt die Einer einkneten. Gewürze nach Gusto dazugeben und noch einmal alles durchkneten. Ich nehme dazu immer die blanke Hand. Vorsichtig mit dem Salz, der Ziegenkäse sollte in Salzlake gereift sein und dadurch einiges an Salz mitbringen.
Die Paste in die Paprikas einfüllen. Leicht gehäuft wird es am Schönsten.
Paprikas abdecken und drei Stunden in den Kühlschrank stellen – zum Durchziehen.

Backen
Die Auflaufform mit den Paprikaschoten in den auf 150-180°C vorgeheizten Backofen stellen und auf der zweiten Schiene von Unten etwa 45 Minuten backen. Damit die Paprika nicht anbrennen, ein Glas voll Wasser in den Boden der Auflaufform gießen. Das beschleunigt auch die Gare.

Alternativ kann man auch die Paprika einfach in der letzten dreiviertelstunde Garzeit eines Schweinenackenbratens auf die zweite Schiene von Oben einschieben und sich darauf verlassen, dass die feuchte Luft vom Braten auch für die Paprika sorgt. Das hat schon mehrmals ausgezeichnet funktioniert, ist aber für manche Veganer nicht aktzeptabel.

Die vegane Methode: Cuscous-Anteil erhöhen, Feta und Eier mit Zuccini und einem Schwupps Öl oder in viel Fett angebratenen Auberginen ersetzen. Der Fettanteil ist wichtig, damit die ganzen fettlösllichen Vitamine aus dem Gemüse auch in den Körper kommen. :D

Baskenmütze

Es wird kälter,  und der Nachwuchs wächst und wächst. Also musste eine neue Mütze her. Der Nachwuchs bestand auf einem wild gemusterten Herbststoff, und ich wollte mit den Reflexbändern der Verkehrswacht experimentieren. Das Ergebnis ist diese warme “Baskenmütze”, gestaltet frei nach der Idee einer solchen Kopfbedeckung.

Bei Sticken musste ich feststellen, dass die Reflektorfolie nur bedingt gesprengt werden kann. Sprengen sollte man die Reflexbänder nur am großen Rahmen mit einer stabilen Unterstickung und viel Zug auf beiden Fadensystemen. Die Reflexbänder falten sich zwar willig, nehmen aber keinen Knick an und springen noch während der Arbeit in ihre Ausgangsform zurück. Um die Form zu retten, habe ich die Bänder wie beim Schlingenlegen überstickt, aber auch das konnte nicht dafür sorgen, dass das Band glatt auflag. Das Ergebnis kann man gut beim Blatt erkennen: Keine glatte Oberfläche und wenig Reflektionsfläche.

Aufnähen dagegen funktioniert ausgezeichnet, auch wenn es eine elende Plackerei ist, ein 1mm breites Reflexband flächig auf dem Stoff zu befestigen. Durch die Langsstarrheit des Bandes ist es sehr leicht, die Bänder in gleichmäßigen Abständen aufzunähen. Ich empfehle also Aufnähen vor Sprengen. Auf der Mütze oben handelt es sich um den Fisch.

Der Oberstoff ist 100% Baumwolle (Patchworkstoff) zum schön Aussehen, Innen”futter” ein warmer Feincord unbekannter Zusammensetzung mit aufgedrucktem Webmuster. Manchmal fragt man sich, wass sich die Stoffdesigner denken. Das Muster hätte man recht einfach direkt weben können. Wahrscheinlich war es aber billiger, den Cord in Rohweiß herstellen zu lassen und dann das Dessin einfach draufzudrucken.

Einfassung wieder 100% Baumwolle in dunkelgrün, und da es sich um eine Kindermütze handelt, hat sie einen kleinen, in der Weite verstellbaren Gummizug. Ganz schön viel Zeug für so ein kleines Stück Wohlbehagen. :D

Brotbacken

Nach meiner kleinen Hermann-Katastrophe - ich berichtete -  habe ich nun einen frischen Roggensauerteig angesetzt und führe ihn mittlerweile in der dritten Generation. Meine ersten zwei Roggenvollkorn- und Roggenmischbrote mit 500g Sauerteig aus der Erstzucht waren der Traum, die zwei danach gebackenen Brote krankten an Untergare, nicht ganz perfekt geführtem Anstellgut und einem sehr wasserarmen und engkrumigen Teig.

Für heute habe ich mir ein Rezept ausgesucht, das  schon bei vielen Bäckern zu einem sehr saftigen Brot geführt hat. Roggensauer-Vorteig, Quellstück und Dampfl (Weizen-Hefe-Vorteig) stehen schon seit gestern um acht in der Küche. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Fotos folgen, sofern ich mein Teleläut zu einem guten Bild überreden kann, in drei oder vier Stunden. Sauerteig ist ein gemütliches Gut.

P.S.: Die Briefvorlage unten ist natürlich zur sinngemäßen Anwendung freigegeben. Ich hätte nur gerne irgendwann einen Bericht zur Reaktion des Verlags. :D

 

Schicken Sie uns bitte Ihre Rechnungen in Englischer Sprache

Merkwürdige Dinge hört man vom deutschen Buchmarkt: Ein Verlag schickt Schreiben herum, in denen er darum bittet, Rechnungen nur noch in Englischer Sprache zu bekommen – um leichter abrechen zu können. Ich finde das denkwürdig. Warum sollte ein deutscher Verlag, mit Sitz in Deutschland, der deutsche Bücher verlegt, auf einmal für die Rechnungsstellung von der deutschen Amtssprache abweichen? Nicht zuletzt, da mein Finanzamt mir sicherlich Schwierigkeiten macht, wenn es meine Rechnungen auf einmal nicht mehr lesen kann.

Nun, mich trifft es nicht. Dafür bin ich ein zu kleines Licht. Aber da ich ab und zu mal die Feder spitze, habe ich für alle Betroffenen eine geeignete Antwort verfasst. Natürlich auf Englisch. Die Rechnungen sollten ja auch in Englisch kommen, also muss die Geschäftssprache doch durch die Bank Englisch sein …

Dear (Genannter Ansprechpartner),
 
with confusion I received your letter dated XX/YY/ZZZ, in which you asked, nay demanded, that our further correspondence be conducted exclusively in English, even though it is well known to you that this noble and distinguished form of address and conversation is not within the reach of my native language.
I am living on the water-rich acres of the German plain, offer you services in German language, deliver my manuscripts in the noble German language, and we are bound together by contracts following German law and custom – also laid down in German language. You then use my work in your German company and publish it in German language on the German market.
Therefore, it is with great wonderment that I receive your notice to further conduct all business in English language. I have to admit that I never asked an American not to place her invoice to me in English, neither did I demand such from Spanish or French business partners. I cannot expect foreigners to have enough command of my mother tongue to conduct business in a satisfactory manner outside the languages of their birth.
Therefore, I regretfully have to inform you that I am not an English native speaker and nothing in my contracts or the German law compels me to use a language foreign to me to conduct my business with you. Please excuse my poor command of your language of choice, but accept my hard-won decision:
I do conduct business with a German company, using German contracts and publishing my German manuscripts in the German market, only in German language. I am unable to write out an invoice in any foreign tongue. If that is too great a hardship for you, please engage a registered translator.
 
With best regards,
 
yadayada foobar

(Ich erlaube jedem Schriftsteller oder Autor, der ein einschlägiges Ansinnen seines Verlags auf dem Tisch liegen hat, ausdrücklich, diesen Text mit den geeigneten Anpassungen ohne Rückfrage zu verwenden. Wer damit nicht nur seine Brötchen verteidigen, sondern durch einen Abdruck Geld verdienen möchte, wende sich bitte direkt an mich, eMailadresse steht im Impressum. Ich beiße nicht.)

Die Entstehung einer Laptoptasche

Man webe einen Kettrips, Cottolin 13/2, 20 Fäden pro Zentimeter, mit einer interessanten Farbzusammenstellung: Schwarz-blau-grün/orange-blau-schwarz-blau-orange/grün-blau-schwarz. Hier ein Bild beim Einzug. Ich bin übrigens verschossen in diesen Reihkamm, aber für meinen kleinen Webstul gibt es ihn nicht. Im Gegensatz zu allen anderen Fleisch- und bluthungrigen Reihkämmen aus offenen Nagelreihen hat das gute Stück nämlich geschlossene Bügel und eine einschiebbare Feder als Verschluss. Irgendwann… ja, dann… will ich auch so einen haben.

 

Fadenkreuz Kettrips für Laptoptasche
Fadenkreuz Kettrips für Laptoptasche

Daraufhin wird der Kettrips gewebt – eine Laptoptaschenlänge in grünen und orangenen Quadraten, und eine andere Laptoptaschenlänge in “Schussumbrierung”: Ich habe die Farbbereiche mit jedem Durchgang eine Querrippe länger gemacht. Das hat einen interessanten Effekt, vor allem im Rips.

Ripsgewebe in Arbeit auf einem Künzl-Kivik
Ripsgewebe in Arbeit auf einem Künzl-Kivik

 

Mein Einzug war geradedurch über 8 Schäfte – da ich beim Schären aufgepasst hatte, konnte ich mich um einen Einzug in Gruppen herummogeln. Dadurch konnte ich auch 1-2-1-2 Leinwand treten. Es war also Weben ohne große geistige Anstrengung. Nur meine Finger waren vom ständigen Fachöffnen irgendwann wirklich dreckig und schmerzten etwas. Das nächste Mal nehme ich ein Werkzeug, um das Fach aufzuzwingen.

Rips im Webstuhl
Rips im Webstuhl, Quadratmuster

 

Und zu guter Letzt wurde daraus eine Laptoptasche. Die zweite liegt noch als Zuschnitt rum, und ich überlege mir gerade ernsthaft, ob ich diese Sorte Notebook/Laptoptasche nicht in meine Produktreihe aufnehme. Viel Konkurrenz von hübsch aussehenden, nicht “ich bin eine Notebook-Verpackung” schreienden Produkten scheint es nicht zu geben, und zumindest meine Bekanntschaft möchte auch gerne so etwas haben. :)

Laptoptasche
Laptoptasche

Ein A4-Block geht auch rein, wenn man etwas schiebt. Das werde ich beim nächsten Versuch sicherlich noch ändern.

Der Verschluss ist ein HI-Virus-Plüschtier von “Giant Microbes”. Ich finde die Produktidee genial, und als “Knopf” ist der Virus sehr gut geeignet, da er  erstens die Taschenklappe hält und zweitens auf Druck mit völliger Verknautschung reagiert. Damit kann man die Tasche auch mal in die Ecke pfeffern, ohne sich um das Wohlergehens des Inhalts Sorgen machen zu müssen. Mir hat schon einmal ein Stielknopf einen Stift zerbrochen.

Manuskript eingereicht

Das nächste Manuskript ist beim Verlag gelandet. Jedes Mal, wenn ich einen Roman ins Lektorat entlasse, fühle ich eine gewisse Leere – der Stress ist weg. Der Lebensinhalt der letzten sechs Monate ist mit dem Abschicken der Mail verpufft, der Schreibtisch nach dem Aufräumen dauerhaft leer, die Referenzbücher wieder im Schrank. In ein paar Wochen, wenn das Manuskript aus dem Lektorat zurückkommt, gibt es wieder ein bisschen Hektik.

Jetzt nähe ich mir und meinen Kleinen erst mal ein paar dringend benötigte Herbstklamotten. Und danach staube ich mein Herzensprojekt ab und schaue, an welcher Stelle ich es das letzte Mal in die Ecke gestellt habe. Eine Idee für den nächsten Szenenkomplex habe ich schon. :D

Muss denn alles uralt sein?

“Encaustic – eine uralte Wachsmalkunst. Schon die alten Ägypter und Griechen haben mit dieser Technik ihre Totenmasken bemalt …”
“Fussreflexzonenmassage – eine uralte heilkundliche Technik. Schon die Indianer Nordamerikas …”
“Wicca – eine uralte druidische Religion. Ihre Lehren wurden seit der Zeit Caesars im Geheinem und fern des Zugriffs des Christentums tradiert …”
“Filzen – ein uraltes Handwerk. Schon die Reitervölker der Mongolei …”
“Nadelbinden – die älteste überlieferte Textilkunst …”

Viel beschworen wird gegenwärtig der Jugendwahn. Alles muss hübsch, jung, faltenfrei und schlank aussehen. Nur Handwerkstechniken. Die dürfen uralt sein. Nein, sie müssen uralt sein. Sonst sind sie nicht gut.

Selbst wenn die moderne Encaustic, also das Auftragen von buntem Wachs auf heißen Bügeleisen, die dann auf einem Blatt Papier abstreift werden, mit dem direkten Bemalen von vorher erwärmten Totenmasken wenig zu tun hat. Ich wage da die Behauptung, dass irgendwann einmal jemand auf die Idee kam, Kerzenreste auf Bügeleisen zu schmelzen. Und das unabhängig davon, was die Ägypter und Griechen für ihre Verstorbenen getan haben. Das ist eine kulturelle Parallelentwicklung, die keine ursächlichen Zusammenhänge kennt, aber die gleichen Materialien benutzt, um ähnliche Effekte zu erreichen. Dreitausend Jahre voneinander getrennt.

Ähnliches kann man zum Nadelbinden sagen: Eine verlorene Kunst. Nadelgebundene Socken und Mützen wurden jahrelang für auf rechts gestrickt gehalten. Erst der Arbeit einiger findiger Frauen wurde die Nadelbinderei als solche erkannt und wiederbelebt. Die Nadelbinderei hat keine uralte Tradition – sie ist eine neue Nachahmung alter Techniken.

Nur die Filzerei hat die Tradition, die ihr nachgesagt wird: Seit Jahrtausenden filzt und walkt die Weberin, der Weber, die Filzkünstler. Diese Technik ist nie in Vergessenheit geraten, nur ihre Namen wandelten sich im Laufe der Zeit: Filzhut, Lodenmantel, Walkfrottier. Es gibt wunderschöne Filzereien aus Gräbern der Bronzezeit, und geniale Filzkonstrukte in jeder Epoche bis zur Jetztzeit. Ein wahrlich uraltes Handwerk, genauso alt und traditionsreich wie die Weberei. Nur hat die Weberei nicht die Lobby der Filzer – und ist deshalb nur ein hauptsächlich von Maschinen ausgeübtes Handwerk, keine uralte Textiltechnik.

“Uralt” als Begriff ist “in” und wertet alles auf, das nicht jung sein muss. Aber nicht alles, was als uralt bezeichnet wird, ist es auch.

 

Gossypium Arboreum nach sechs Monaten

Mein Gossypium Arboreum hat etwas unter der Kälte die letzten Tage gelitten, und meine arme Kamera ist immer noch kaputt. Das Leihgerät macht zwar Bilder, aber gut zu bearbeiten sind sie leider nicht. Entsprechend hat die Tagesaufnahme ein paar Schwächen, aber das Baum-Baumwollbäumchen ist schon ganz schön gross geworden.

Vor sechs Monaten ein Samenkorn, heute ein Zentimeter Stammdurchmesser.

Gossypium Arboreum, 6 Monate alt, aus Samen gezogen.

Die anderen Bäumchen sind nicht ganz so groß – die drei Wochen Vorsprung, die mein Vorzeigeexemplar hat, müssen sich ja irgendwo zeigen. Die gesamten tropischen und subtropischen Pflanzen stehen jetzt auf der Innenseite der Fensterscheibe. Draußen ist es eindeutig zu kalt geworden. Sobald ich die Flurfenster freigeräumt habe, kommen sie ins Winterquartier. Für meine beinahe-frostharten Kalthauspflanzen, die Temperaturen unter 15°C, aber über 0°C benötigen, muss ich mir noch etwas schlaues einfallen lassen. Die Garage wird zu kalt, der Balkon erst recht.

 

Wissen ist ansteckend

Mein Schwager ist Automechaniker. Mit Leib und Seele. Er liebt Autos über alles, und er teilt sein Wissen gerne. Zuerst hat er mich dazu angeleitet, Autos nicht nur an ihrem Herstellerpläpperle zu erkennen, dann führte er mich tiefer in die obskuren Bereiche der Autokunde ein. Mittlerweile fahre ich glücklich einen 7-Sitzer Hybriden mit einem realen E10-Verbrauch von 5 Litern pro 100km.

Früher, als meine Schwester noch keinen Mann hatte, beantwortete ich die Frage nach meinem Wunschauto in der Autovermietung mit: “Eins das fährt.”

Etwas später hörte es sich so an: “Wir sind zwei Personen und haben drei Klappkörbe Gepäck. Der Karren sollte 50 in der Stadt und 100 auf der Autobahn können. Oh, wir wollen in den Harz. Also Winterreifen und Ketten bitte.”

Dann bekam ich einen autoaffinen Schwager.

Gestern stand ich an der Bushaltestelle neben einem Autohändler. Eine Rennkutsche, Motor und zwei Sitze, gab es gebraucht für 30.000 Euronen. Ich sah mir das Auto an und mein erster Gedanke war: “Nicht mit den verrosteten Bremsscheiben und den schlechten Kotflügeln.”

Die Entwicklung geht also von “irgendein Fahrzeug” zu “Ein Auto, das unser Gepäck schafft” bis hin zu “mit den Mängeln will ich die Schrottkarre nicht.” Mein Schwager ist schuld. Jawoll.

Klompen in Redwork

Vor einiger Zeit habe ich einen Satz Redwork-Motive entworfen. “Redwork” ist die englische Bezeichnung für in rot ausgeführte Linienstickerei. Aktuell kommt diese altehrwürdige Art, Textilien zu verzieren zusammen mit der Patchworkwelle über den grossen Teich nach Europa zurück.

Genau betrachtet ist diese Art der Stickerei ein wunderbar gelungener Marketing-Rundumschlag. Vor vielen Jahren (18xx) wurde eine Methode entwickelt, kräftig rote Garne wasser- und lichtecht zu färben. Die Garnstränge mit dem neuartigen Rot wurden unter dem Namen “Türkischrot” verkauft. Um den Absatz anzuheizen, wurden dem Garn weiße Stoffquadrate mit einem aufgedruckten Stickmotiv beigelegt – oder, um es anders zu formulieren, man konnte Stoffquadrate mit Motiv und einem Strang türkischroten Stickgarn erwerben. Diese Quadrate wurden billig auf den Markt gebracht und traten den Siegeszug durch die damaligen Mädchenzimmer an: Linienstickerei ist einfach, geht schnell und sieht gut aus.

Meine Redwork-Motive der ersten Stunde waren hochkomplex – ich dachte, viel hilft viel und pinselte fröhlich mit dem dünnen Bleistift vor mich hin. Beim ersten Motiv, das ich sticken wollte wurde mir klar, dass einfädiger Sticktwist einfach nicht mehr zu teilen ist: Mein Bleistift konnte dünner, aber meine Nadelarbeit konnte nicht feiner auflösen. Ich brauchte “gröbere” Motive.

Also ging es an die zweite Gruppe Entwürfe, die mangels Zeit und Gelegenheit nach dem Stechen in einer Schublade herumvegetierten. Beim Aufräumen vor ein paar Tagen fielen sie mir wieder in die Hände, und dieses Paar Klompen durfte das Flaggschiff werden.

Ein Paar Klompen in roter LinienstickereiEin Paar Klompen in roter Linienstickerei

Technische Daten
Stickgrund: weißer Popeline 25x25cm, doppellagig
Stickmaterial: MEZ Anchor Sticktwist ein- bis dreifädig, Farbe 47
Stiche: Rückstich, Spaltstich, Stielstich und  Saumstich (Stielstich spiegelverkehrt), aufgelockerter Plattstich

Bilderrahmen: Aus dem Bastelladen, Kiefernholz
Aufgezogen mit: Ponal Holzleim