Türme, Tore, Zeiten

Die Türme von Taladur – in diesem Blog läuft mein Anteil am Projekt noch unter dem Arbeitstitel “Sengoku” – sind eine großangelegte Romanreihe zum Rollenspielsystem “Das Schwarze Auge”, kurz DSA.

Mit dieser Romanreihe, die sich nicht nur in der wirklichen Welt über mehrere Monate erstreckt, stellt sich uns als Autorengruppe ein größeres Problem:Taladur als Stadt ist jenseits von “da leben zerstrittene Familien in hohen Türmen” in offiziellen Publikationen wenig beschrieben,befindet sich aber in einem Teil Aventuriens,der regelmäßig mit Abenteuern “in die Zukunft” gebracht wird.

Dadurch kann es passieren, dass ein wichtiges offizielles Ereignis wie zum Beispiel die Geburt eines Thronerben, das logischerweise mit wochenlangen Festen begangen wird, die eigentlich trüb-grimmige Stimmung des Romans empfindlich stört. Oder der per Kurier anberaunte Volkstrauertag zerschlägt die geplante fröhliche Festgesellschaft. Das kann einen Autoren schon stark behindern.

Um also sowohl auf Rollenspiel- als auch auf Romanebene freiere Hand zu haben,sind wir Autoren nach langer Diskussion übereingekommen, die Türme von Taladur in die gute alte Zeit zu versetzen: Damals,als Reto noch lebte. Als die Welt noch in Ordnung war. Als man wusste: Der Namenlose ist der Böse, Dämonen eine dienstbare Kraft, Borbarad ein ausgezeichneter Rektor der Akademie von Fasar und Rohal der größte Herrscher aller Zeiten.

Die Türme von Taladur spielen also nach Retos Maraskan-Abenteuer um 990 nach Bosparans Fall. Auf diesem beinahe vollständig weißen Flecken der aventurischen Zeit- und Ortskarte haben wir Autoren viele Möglichkeiten, uns auszutoben,ohne mit offiziellen Setzungen zu kollidieren. Wir können den Stadtrat mit eigenen Charakteren besetzen und die Stadt darstellen, wie es für uns und die Dramaturgie notwendig ist. Nicht zuletzt sind wir nicht gezwungen,irgendeinen Charakter auf Gedeih und Verderb am Leben zu lassen, nur weil er im offiziellen Abenteuer #42 (Das Leben,das Universum und der ganze Rest) unbedingt gebraucht wird.

Und das ist natürlich das Beste: Da wir einen Großteil unserer Charaktere selbst bestellen können,hilft kein irgendwie geartetes “Zukunftswissen” dem Leser, aus dem Spannungsbogen zu entkommen. ;)